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Kommunikation nach Hirnschädigung


Eine Hirnschädigung hat häufig eine Sprach- oder Sprechstörung zur Folge. Die Kommunikation gelingt dann nicht mehr so unbeschwert wie bisher. Es kommt zu Unsicherheit, zuweilen Hilflosigkeit im Umgang miteinander.
Die/ Der Betroffene fühlt sich und somit seine Wünsche, Mitteilungsabsicht nicht verstanden. Nicht selten sind (Sprech-) Ängste und ein In-Sich-Zurückziehen die Folge.
Die Umwelt hingegen hat oft Berührungsängste aus Angst, sich nicht „richtig" zu verhalten. Was, wenn ich sie/ ihn nicht verstehe? Wie soll ich reagieren? Darf ich zugeben, wenn ich sie/ ihn nicht verstehe. oder verletze ich sie/ ihn dann? Versteht sie/ er mich überhaupt? Wie soll ich mit ihr/ ihm sprechen?
Einer praxisinternen Umfrage unter dreizehn mittelschwer- bis schwerbetroffenen Dysarthrikern zufolge empfanden 69% die Alltagskommunikation durch ihre Dysarthrie erschwert. Bei Fragen wie zum Beispiel „Vermeiden Sie das Sprechen mit…?“, „ Fühlen Sie sich beim Sprechen unter Zeitdruck gegenüber …?“ wurde jeweils zwischen der Kommunikation mit Angehörigen, vertrauten Personen und Fremden unterschieden. Im Ergebnis besteht gegenüber Angehörigen kaum eine Einschränkung, gegenüber Fremden jedoch signifikant. Die Beantwortung der Frage, ob man sich trotz Dysarthrie von seinem Gegenüber ernstgenommen und wertgeschätzt fühlt, fällt sehr deutlich aus. Zehn Befragte beantworteten diese Frage für „immer“ in Bezug auf Angehörige und Vertraute mit Ja, gegenüber Fremden aber nur drei. Der Leidensdruck der Aphasiker ist sehr umfassend untersucht und publiziert, zu den Kommunikationsproblemen der großen Gruppe Dysarthrie-Betroffener findet man hingegen kaum Daten. Aus Interesse heraus war dies war für mich Anlass, obige Befragung durchzuführen. Sie kann unter anderem aufgrund der geringen Patientenzahl keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, lässt jedoch Tendenzen erkennen.

Jenifer, meine ehemalige Patientin, war eine sehr schwer beeinträchtigte und starke junge Frau. Sie hat eine Wunschliste an ihre Um- und Nachwelt geschrieben. Mit ihrer Erlaubnis zur Veröffentlichung hoffte sie, mit ihrer "Betriebsanleitung" im Namen vieler, ebenfalls betroffener Menschen zu sprechen und ein Signal zu setzen:

Die Kommunikation mit von Hirnschädigung betroffenen Menschen kann deutlich erleichtert werden, wenn Sie nur wenige Tipps beachten:

  • Behandeln Sie die betroffene Person respektvoll. Sie hat zwar eine Sprach-/ Sprechstörung, verfügt aber in jedem Fall über eine individuelle Biografie und sehr oft über dasselbe Welt- und Wertewissen wie vor dem Ereignis, zum Beispiel vor einem Schlaganfall.
  • Sprechen Sie in kurzen, eindeutigen Sätzen mit normaler Intonation und Lautstärke. Die/ der Betroffene hat nicht Verständnisprobleme, weil sie/ er schlecht hört.
  • Halten Sie Blickkontakt.
  • Rückversichern Sie sich, ob die/ der Betroffene verstanden hat.
  • Geben Sie der betroffenen Person Zeit, während sie spricht und helfen sie nur, wenn Hilfe erbeten wird. Korrigieren Sie nicht.
  • Geben Sie eindeutig Signal, wenn Sie oder wenn Sie nicht verstanden haben.
  • Bieten Sie auch nonverbale Kommunikationswege wie zum Beispiel die Verständigung über Mimik/ Gestik, Zettel, Stift an.
  • Sprechen Sie nicht für oder über, sondern MIT der betroffenen Person!

Hilfreiche und interessante (Download-) Links zum Thema:

- kostenloser Download des Flyers "Kommunikation nach Schlaganfall" der Deutschen Schlaganfall-Hilfe
- Deutscher Knigge-Rat: Tipps für den respektvollen Umgang mit Menschen mit Behinderung
- obiger Artikel [286 KB] als Download

(verfasst für die Jahresbroschüre 2019/20 des LVSB e.V. © Juliane Graf-Wegner 2020)

Leichte Sprache - Hilfe beim Lesen

Nachrichten, Kultur und Sport leicht verständlich
Nachrichten, Kultur und Sport leicht verständlich
https://www.nachrichtenleicht.de


Leichte Sprache
ist für Menschen gemacht, die Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen von Texten haben. Zum Beispiel für Lern-Behinderte, Menschen mit Sprach-Störung (Aphasie) und Menschen, die nicht gut Deutsch können. Leichte Sprache ist ein Beitrag für die Barriere-Freiheit. Alle Menschen sollen sich informieren können. Auch immer mehr Behörden bieten Texte in Leichter Sprache als Broschüre oder im Internet an.

Leichte Sprache ist gut vertsändlich. (Auch dieser Text ist leicht verständlich geschrieben.) Sie hat feste Regeln. Texte müssen einfach geschrieben sein. Zum Beispiel müssen die Sätze kurz sein. Es dürfen keine Fremdwörter, Abkürzungen und große Zahlen benutzt werden. Lange Wörter werden durch einen Binde-Strich getrennt. So kann man sie besser lesen und verstehen. (Zum Beispiel Tier-Wohl, Musik-Fest anstatt Tierwohl, Musikfest) Texte in Leichter Sprache werden immer von Menschen mit Behinderung geprüft. Sie entscheiden: Verstehe ich den Text? Ja oder nein?

Angebote im Internet:
Auf nachrichtenleicht vom Deutschlandfunk kann man Nachrichten, Kultur, Sport und andere Informationen in Leichter Sprache lesen. Das Gute ist: Man kann die Texte auch anhören. Man muss nur auf den Pfeil rechts neben dem Bild drücken. Es gibt auch ein Wörterbuch. Es erklärt viele schwierige Wörter. (Siehe Foto)
Das Büro für Leichte Sprache von der Lebenshilfe Bremen e.V. bietet viel Hilfe an. Es erklärt, was Leichte Sprache ist und die Regeln. Es übersetzt schwere Texte in Leichte Sprache und prüft sie. Und man kann dort Geschichten in Leichter Sprache kaufen.
Auch der Verein Netzwerk Leichte Sprache e.V. setzt sich für die Verbreitung der Leichten Sprache ein. Im Netzwerk arbeiten Menschen aus 5 Ländern zusammen. Sie fordern: Respekt für die Leichte Sprache.

(verfasst für Sprachtherapie MUNDt © Juliane Graf-Wegner 2019)

Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?


An dieser Stelle wollen wir auf die Kampagne "Medien-Familie-Verantwortung" zum Thema "Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?"aufmerksam machen!

ZITAT: "... Wir wollen zum Nachdenken anregen und Eltern sensibilisieren,

- ob das Telefonat oder die Nachrichten, die gerade eingehen, wirklich so wichtig sind,
- oder ob es nicht gerade schöner ist, den Moment mit dem Kind zu genießen, statt zu überlegen, wie und wo ich den Moment am besten poste.

Smartphones sind nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Und trotzdem gibt es Zeiten, in denen Eltern sich überlegen sollten, das Smartphone auch mal wegzulassen. So ein Moment sind die schönen Stunden, die Sie mit ihren kleinen Kindern verbringen. Was gibt es Schöneres, als den eigenen Kindern beim Spielen zuzuschauen, erste Worte wahrzunehmen oder erste Schritte mitzubekommen? Bemerkt die Mutter aber auf dem Spielplatz erst nach dem fünften Rufen der Tochter, dass sie beim Lesen einer Mail vergessen hat, die Schaukel anzuschubsen und streichelt der Vater häufiger über sein Smartphone als dem Sohn über den Kopf, dann fühlen sich Kinder vernachlässigt.

Es gibt noch keine Zahlen, die den Umgang von deutschen Eltern mit der Smartphone-Nutzung und einer möglichen reduzierten Aufmerksamkeit auf die Kinder belegen, aber ein Blick auf die heimischen Spielplätze, Freizeitanlagen oder ähnliches zeigen häufig ein ähnliches Szenario. Für die gesunde Entwicklung eines Kindes ist die Auseinandersetzung mit den Eltern, ihrer Aufmerksamkeit und ihrem Lob unersetzlich, damit eine Bindung entsteht.

Die Bindungsforschung belegt, dass Kinder in den ersten beiden Lebensjahren - besonders in den ersten zwölf Monaten - eine erwachsene Bezugsperson brauchen, die sehr dicht mit ihnen kommuniziert und interagiert. Das gibt den Kindern Sicherheit und ist wichtig für ihre Entwicklung. Gerade am Anfang läuft Kommunikation über Blickkontakt und geteilte Aufmerksamkeit. Wenn Eltern aber ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt sind, vergeben sie wichtige Gelegenheiten, das aufzugreifen, was ihr Kind gerade beobachtet und seine Handlungen im Alltag sprachlich zu begleiten."
(Quelle Text / Grafik mit freundlicher Genehmigung der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (MV) )

Weitere Informationen und Ansprechpartner finden Sie auf der Internetseite der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (MV).

(verfasst für Sprachtherapie MUNDt © Juliane Graf-Wegner 2019)

SimSalaBim

SimSalaBim - interessantes Werkzeug innerhalb der Sprachtherapie

Seit Januar 2020 bietet kommhelp e.V. die Update-Version 3.3 des Programms SimSalaBim als freie Software zum Download an.

SimSalaBim ist seinem Konzept entsprechend eigentlich ein Gruppen-Rate-Spiel. Jedoch stellt es darüber hinaus unter dem Motto "Wortfindung mal anders" eine wertvolle Bereicherung innerhalb der Aphasietherapie sowie Sprachtherapie bei Demenz dar, mit dessen Hilfe Wortfindung, Benennen und allgemeine sprachliche Aktivierung auf originelle und spaßbesetzte Weise trainiert werden können ... lesen Sie weiter [438 KB]

(verfasst für tettricks © Juliane Graf-Wegner 2018/aktualisiert 2020)